Ein Geständnis. Warum mich meine Freiheit in letzter Zeit nicht 100% glücklich macht.

koh yao yai

Eigentlich hätte ich fast jede Freiheit. Durch meine Selbständigkeit kann ich von zu Hause arbeiten. Ich verdiene inzwischen genug Geld, dass wir gut leben können und ich hätte alle Zeit, um meine Arbeit so auszurichten, dass ich tagsüber Sport machen und Abends störungsfrei Zeit mit der Familie verbringen könnte.

Es gibt nur ein Problem.

Irgendwie bin ich desillusioniert. Ich habe den Flow verloren. Meinen Mojo. Mein Warum. Und ich frage mich seit Wochen, was ich eigentlich wirklich will.

Mein Phuket Blog hat inzwischen seinen ursprünglichen Reiz verloren und ich habe schon seit längerem kaum neue Artikel verfasst. Dies liegt auch daran, dass die neugewonnene Begeisterung für die Insel nach unserer Rückkehr aus Deutschland Anfang 2013 mittlerweile wieder verflogen ist.

Die immer gleichen Fragen meiner Leser, die gestellt werden, obwohl ich sie auf der Seite bereits mehrfach beantwortet habe, langweilen mich zunehmend. Ich kann mich an manchen Tagen kaum aufraffen die dutzenden Mails zu beantworten, die täglich reinkommen. Ich lasse sie dann oft einige Tage lang liegen, um dann teilweise stundenlang am Stück Anfragen abzuarbeiten was zwar etwas Befriedigung bringt, wenn es erledigt ist, mich aber ziemlich stresst. Und durch die späten Antworten verliere ich auch immer wieder mal Aufträge.

Und dennoch ist der Blog ständig in meinem Kopf. Er ist nicht irgendeine Nischenseite, die ich mal erstellt habe und die nun sich selbst überlassen ist. Ich hatte einmal große Pläne dafür. Vieles habe ich bereits erreicht und ich könnte die Seite bzw die Services drum herum noch viel weiter ausbauen. An manchen Tagen denke ich mir, dass es das Beste wäre auf dem bereits erreichten aufzubauen. Tiefer einzusteigen, eine echte Firma mit Angestellten aufzubauen. Sei es verstärkt auf die Reisevermittlung zu setzen, die Vermittlung von Ferienimmobilien zu forcieren oder Beratungsdienstleistungen für Auswanderer anzubieten.

Und dann frage ich mich aber ob ich nicht doch lieber etwas ganz anderes aufbauen will. Unabhängig von allem Tourismus. Unabhängig von Phuket und Thailand.

Den schon vor Wochen angekündigten Thaikurs habe ich immer noch nicht fertig gestellt, was zwar auch an etwas fehlendem Equipment für bessere Tonaufnahmen liegt aber ich hätte dennoch schon längst die fehlenden Lektionen erstellen können.

Mein Wedding Business bringt gutes Geld, aber es stresst mich auch sehr.
Eigentlich bin ich ein totaler Chaot. Dinge zu organisieren entspricht überhaupt nicht meinem Naturell. Daher bin ich vor jeder Hochzeit trotz Checklisten usw immer total gestresst, schlafe schlecht, habe Angst, dass irgendetwas vergessen wurde oder einer der gebuchten Dienstleister nicht auftaucht und das wirkt sich auf alle anderen Lebensbereiche ebenfalls aus. Sobald dann alles gut geklappt hat und ich die begeisterten Hochzeitspaare vor mir habe ist das dann wieder vergessen. Man möchte sagen eigentlich ist es gut, dass ich mir so viele Gedanken mache und meine Arbeit ernst nehme, da dadurch hohe Qualität sicher gestellt ist. Aber der Stress vor der Hochzeit zehrt an den Nerven.

Auch Phuket selbst und Thailand überhaupt nervt mich immer wieder an. Zum wiederholten Male stelle ich mir die Frage ob ich weiter in Thailand leben will. Ob ich innerhalb von Thailand umziehen soll. Oder doch wieder zurück nach Deutschland.

Diese Phasen habe ich immer wieder. Bis vor wenigen Tagen war noch alles gut. Dann dreht sich auf einen Schlag die Stimmung und ich würde am liebsten sofort die Koffer packen.

Und dann doch wieder nicht. Beides hat Vor- und Nachteile und ich weiß nicht so recht wo ich in Zukunft meinen Lebensmittelpunkt lieber hätte.

Diese ganze Unsicherheit darüber was ich eigentlich will lähmt mich. Sie hält mich davon ab einfach eine Richtung einzuschlagen. Oder an einem der bereits laufenden Projekte und Geschäfte weiterzuarbeiten. Und darüber bin ich frustriert, habe ein schlechtes Gewissen und zerbreche mir den Kopf, um endlich herauszufinden, was ich will, damit ich auf eine Richtung festlegen kann.

Aber, eigentlich geht es mir wirklich gut…

Das Seltsame an all dem ist und auch wenn es aufgrund der bisherigen Zeilen überhaupt nicht so klingt, dass es mir eigentlich wirklich gut geht. Und ich bin grundsätzlich sehr zufrieden mit meinem Leben.

Ich habe alle meine mir für dieses Jahr gesetzten Ziele erreicht, habe u.a. einen Triathlon. 15kg abgenommen, kann von zu Hause aus arbeiten und verdiene ganz gut mit meinem Phuket Blog und dem Wedding Business. Ich verdiene gut. Ich kann mir meine Zeit frei einteilen. Ich habe eine tolle Frau und wunderbaren Sohn, die ich beide über alles liebe.

Aber irgendwie bin ich dennoch mit meiner Arbeit unzufrieden, grüble und bekomme dann kaum etwas auf die Reihe.

Dass es mir im großen und ganzen sehr gut geht ist einerseits super, aber in dieser Situation der Entscheidungsfindung ein Problem. Wäre ich in einer absolut beschissenen Situation gefangen, dann wäre es deutlich einfacher.

Wie vor zwei, zweieinhalb Jahren. Da war alles ganz klar:

Ich steckte in einer riesengroßen Krise in Deutschland fest. Alles was ich wollte war: raus aus dieser Scheiße. Zurück nach Thailand. Mir mit Phuketastic ein Business aufbauen von dem ich gut leben kann und das mir die Freiheit gibt von zu Hause zu arbeiten und meine Zeit frei einzuteilen.

Ich habe meine Ziele erreicht…und jetzt?

Inzwischen habe ich das alles erreicht und bin etwas desillusioniert. Ich weiß nicht so recht ob ich weiter in die gleiche Richtung gehen soll, den Phuket Blog und das Business drum herum weiter ausbauen, diesen persönlichen Blog hier stärker vorantreiben oder doch etwas ganz anderes machen soll.

Eigentlich weiß ich, dass ich mal wieder an einem Punkt angelangt bin an dem ich Veränderung brauche.

Mal wieder. Denn dieser Punkt kommt in meinem Leben in absoluter Regelmäßigkeit, immer dann wenn ich meine Ziele erreicht habe. Wenn ich bekomme habe, was ich will. Wohl typisch für einen Scanner.

Es geht mir wie es Patrick beschreibt, „Das große Ziel zu erreichen wird sehr befriedigend sein, es ist ein großes Glücksgefühl. Doch hier ist das Problem mit dem Glück: Es ist nie mehr als eine Momentaufnahme. Es geht vorbei. Und dann bedeutet ein erreichtes Ziel nicht mehr, als dass es nun Zeit für das nächste Ziel ist. „

Nur was dieses nächste Ziel ist darüber bin ich mir im Unklaren. Dieser Blog sollte es werden, aber irgendwie funktioniert es nicht in der jetzigen Form.

Die Freiheit sich die Zeit zu nehmen, um echte Klarheit zu erlangen

Mein großer Vorteil ist es, dass ich mir aufgrund meiner vorhandenen Freiheit die Zeit nehmen kann, um zu reflektieren und über die Gründe für meine derzeitige Sinnkrise nachzudenken. Ich kann es mir leisten mal einige Wochen lang nicht sonderlich produktiv zu sein.

Und genau diese Freiheit habe ich mir die letzten paar Wochen genommen.

Anfang Dezember verbrachte ich mit meiner Familie auf Koh Yao Yai, einer kleinen sehr ruhigen Nachbarinsel von Phuket. Die Ruhe dort und der phantastische Ausblick auf die Kalksteinfelsen und Inseln der Phang Nga Bucht und das Joggen am einsamen Strand waren Balsam für die Seele und brachten mir bereits einiges an Klarheit.

Ich bin gar nicht so frei, wie ich es sein will

Mir wurde bewusst, wie sehr ich mich durch die Richtung, die ich meinem Phuket Business in den letzten Monaten gegeben habe wieder in eine Abhängigkeit begeben habe. Anstelle mir mehr Freiheit zu schaffen, durch den Aufbau von mehr passiver Einkommensströme setzte ich vermehrt auf Dienstleistungen. Auch wenn diese zumindest teilweise lukrativ sind, so benötigen sie meine geistige Präsenz und ich muss mich doch um einiges persönlich kümmern. Kunden verlangen zeitnahe Antworten. Ich muss viele Dinge organisieren, was mir keinen Spaß macht. Irgendwie habe ich damit das Gefühl mir selbst einen Angestelltenjob geschaffen zu haben. Und das war ganz bestimmt nicht Sinn der Sache.

Viele der Entscheidungen, die dazu führten wurden aus monetären Gesichtspunkten getroffen. Teilweise zu einem Zeitpunkt, als ich noch nicht sicher wahr, ob ich meinen Lebensunterhalt durch meine Selbständigkeit sicher kann. Und diese Entscheidungen stellen sich jetzt als falsch heraus. Zumindest, wenn ich den Spaß und Sinn dabei in den Vordergrund stelle.

Gleichzeitig, stecke ich gedanklich noch immer viel zu sehr in der 9-5 Angestelltenwelt fest. Kein Wunder, dass ich dann ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich vormittags 2 Stunden radeln gehen will anstelle mich an den Schreibtisch zu setzen. Auch wenn ich mir die Zeit frei einteilen könnte.

Und somit bin ich gar nicht so frei, wie ich das eigentlich sein will.

Ich brauche eine neue Herausforderung

Dies wurde mir erst in den letzten Tagen so wirklich klar. Mir fehlt momentan ganz einfach die neue große Herausforderung. Ein neues Projekt, das mich vereinnahmt und begeistert. Eigentlich sollte es ja dieser Blog werden. Aber trotz mehrerer Versuche kann ich mich bislang nicht so recht begeistern. Die genauen Gründe waren mir dafür bislang allerdings nicht so ganz klar.

Doch das hat sich auf einen Schlag geändert. Mir wurde bewusst, dass ich prinzipiell eigentlich schon seit langem genau weiß, was ich wirklich machen will, mich aber bislang nicht getraut habe „all-in“ zu gehen.

Mit diesem Blog wollte ich ursprünglich in diese Richtung gehen blieb dann aber doch bei einem etwas „sichereren“ Thema. Auch wenn ich mit meiner Phuket Seite eine ziemlich klare Positionierung habe, so habe ich es meist vermieden mich selbst zu zeigen, wie ich wirklich bin. Ich habe eine gewisse professionelle Maske aufgesetzt und mich ein wenig dahinter versteckt. Und genau das ist der Grund warum ich mich inzwischen nicht mehr so recht dafür begeistern kann.

Anstelle das zu tun, was ich wirklich machen möchte habe ich eine verwässerte Version dessen ins Leben gerufen. Schon seit einigen Jahren trage ich eine Idee bzw eine Vision meiner Zukunft mit mir herum, die mich wirklich begeistert und die ich verwirklichen möchte. Aber bislang habe ich mich nicht so wirklich getraut „all-in“ zu gehen.

Vermutlich müsste ich einfach nur einmal loslegen und die Dinge ändern, die mich derzeit stören. Fast immer haben sich alle meine Herausforderungen und Probleme von ganz alleine gelöst, wenn ich den Mut fand den ersten Schritt zu gehen und einfach eine Entscheidung für eine Richtung getroffen habe.

So wird es auch diesmal sein.

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will.“ Jean-Jacques Rousseau

Mein Bauch weiß ohnehin schon lange was die richtige Entscheidung ist nur mein Kopf hat andere Pläne. Dieses Dilemma muss ich auflösen um meinen Mojo, meine Energie und auch das Gefühl von echter Freiheit wiederzugewinnen.

Aber das ist natürlich leichter gesagt als getan:)

NACHTRAG August 2015:

Inzwischen hat sich vieles getan, ich habe mir eine kleine Auszeit gegönnt und viel nachgedacht, den Phuket Blog umgestaltet, vieles automatisiert, den Thaikurs fertig gestellt, mir Hilfe in Form von virtueller Assistenz geholt, biete nur mehr kleine Hochzeiten, die mich nicht mehr stressen uvm. außerdem zeige ich mich jetzt viel authentischer und habe begonnen an meinem großen Ziel zu arbeiten.

All das hat dazu geführt, dass ich derzeit wieder rund um zufrieden bin und mich derzeit tatsächlich frei fühle.

Mal schauen wie lange es diesmal anhält:)